TESTAMENT
DEATH ANGEL
METAL CHURCH
Karlsruhe, Substage 11.08.26
Ein solches Package konnten wir
uns natürlich nicht entgehen lassen und so fanden wir uns frühzeitig ein, um
die Chance zu bekommen, Eric Peterson von Testament Hallo zu sagen (er hatte
uns damals auf die Thanks-Liste zum legendären Debut-Album „The Legacy“
gesetzt, weil wir das erste Magazin weltweit waren, welches der Band eine
Cover-Story gewidmet hatte, wie er uns auf einem unserer zahlreichen Treffen in
den 80ern erzählt hatte).
Es schreibt sich allerdings
leichter, als es in Wirklichkeit ist, denn entweder wollte man uns nicht helfen
(Sänger von Metal Church, ein arroganter hochnäsiger Pseudo-Rockstar) oder man
konnte nicht (Mark Osegueda, ein total sympathischer Typ, der sich für jeden
Zeit nahm, Fotos machen ließ und Autogramme gab, aber den guten Eric seiner
Aussage nach den ganzen Tag nicht gesehen hatte). Schade.
Metal Church legten sogar noch
vor 20 Uhr los und wir konnten feststellen, daß jener bereits erwähnte Herr
wenigstens am Mikrofon was drauf hatte; das klang wie David Wayne (RIP) und was
kann dann bei nem Eröffnungs-Doppel „Ton of Bricks“ / „Start the Fire“ schon
schiefgehen? Gar nichts, der Sound war gut (wenn auch der Gesang ein bissel zu
leise), die Band super aufgelegt und bei Leuten wie David Ellefson (bs) und Ken
Mary (dr) liegt die Latte für nachfolgende Bands dann schon verdammt hoch.
Leider war nur Zeit für 5 Songs, „Watch the children pray“ sowie das
Eröffnungs-Doppel vom legendären Debut „Beyond the Black“ / „Metal Church“
ließen die Stimmung in der Halle nie nachlassen. Tolle Band, sehr guter Gig vor
ausverkauftem Haus (1.000 Leute – wir wären enttäuscht gewesen, wenn bei einem
solchen Package nicht ausverkauft gewesen wäre!).
Mit Death Angel können weder
Guido noch ich viel anfangen – ich finde alles, was nach dem grandiosen Debut
kam, zu verspielt, abgefahren und schräg (zumindest vieles davon) und die
neueren Sachen lassen mich trotz Hin- bzw Rückwendung zum Metal eher
schulterzuckend zurück. Nicht schlecht, aber auch nix Besonderes. Und dann
kamen die Jungs auf die Bühne und lieferten eins der geilsten und
energiegeladensten Konzerte ab, die wir je gesehen haben…..“The Dream calls for
Blood“ wurde von der Meute begeistert mitgesungen, die nächsten Songs kannten
wir gar nicht, aber das spielte keine Rolle. Mark Osegueda tobte wie ein
Verrückter auf der Bühne herum, brüllte, tobte und sang, dazu der fette und
glasklare Sound, das war ein verdammtes Erlebnis!!! Guido brachte es perfekt
auf den Punkt: „Wenn man die meisten Sachen nicht kennt und es ist trotzdem
geil, sagt das alles.“ Und dann am Ende noch „Evil Priest“ (das kannte ich dann
sogar, hahaha!!!), das war einfach fantastisch, mit „Thrown to the Wolves“
endete dann ein Gig, dem wir noch viel länger hätten zuschauen können. Am
wenigsten erwartet, am meisten bekommen. Geil!!!!!
Dann kam der Headliner Testament
und der Einstieg mit „Into the Pit“ und „Henchman Ride“ war auch gelungen,
ebenso wie die beiden neuen Songs „For the love of pain“ und das geile „Infanticide
A.I.“. „Shadow People“ und „More than meets the eye“ drosselten dann das Tempo
und gleichzeitig auch unsere Begeisterung. „Electric Crown“ und „So many lies“ fuhren
Power und Härte weiter zurück und gaben dem Begriff Langeweile eine neue
Bedeutung. Testament legten jetzt den kompletten Headliner-Gang ein:
Mitsing-Chöre, Ballade, Drum-Solo. Das ganze Klischee-Programm. Schrecklich.
Das konnte nicht mal mehr „Over the Wall“ retten. Unterm Strich waren Metal
Church und Death Angel wirklich geil, Testament eher…sagen wir mal...routiniert.
Ohne viel Bewegung und mit einigen Verschnaufpausen. Uns war´s dann ein bissel zu
wenig Dampf, besonders im Vergleich zu Death Angel, auch wenn es sicherlich
Einfacheres gibt, als nach deren vor Euphorie und Bock nur so sprühenden
Vorstellung auf die Bühne zu müssen.
Für nicht mal 50,--€ Bands
solchen Kalibers zu erleben, war klasse und der Abend richtig genial.
Frank
|